Tennisregeln der internationalen Tennisfederation

Regel 27: Gewinn eines Satzes


a) Vorteilssatz-System
Der Spieler, der zuerst sechs Spiele gewonnen hat, hat einen "Satz" gewonnen, wenn er einen Vorteil von mindestens zwei Spielen hat. Sonst wird der Satz so lange fortgesetzt, bis dieser Vorteil von einem Spieler erreicht wird.
b) Tie-break-System
Statt des Vorteilssatz-Systems nach Absatz a) kann wahlweise das Tie-break-System angewendet werden, sofern dies vor Beginn des Wettspiels bekanntgegeben wurde. In diesem Fall gilt:
Wenn im Satz der Spielstand von 6:6 Spielen erreicht wird, ist ein Tie-break zu spielen. Dies gilt nicht im dritten bzw. fünften Satz eines Dreisatz- bzw. Fünfsatz-Wettspiels. Sofern nichts anderes bestimmt und vor Beginn des Wettspiels bekanntgegeben wurde, und diese Sätze als Vorteilssatz nach Absatz a) zu spielen.
Für ein Tie-break-Spiel gilt:
Im Einzel:
1. Im Tie-break-Spiel werden die Punkte fortlaufend numerisch gezählt. Der Spieler, der zuerst sieben Punkte erreicht hat, gewinnt das Spiel und damit den Satz, vorausgesetzt, er hat einen Vorsprung von mindestens zwei Punkten. Kommt es zu einem Spielstand von 6:6 Punkten, wird das Spiel fortgesetzt, bis einer der beiden Spieler den Vorsprung von zwei Punkten hat.
2. Der Spieler, der an der Reihe ist aufzuschlagen, ist Aufschläger für den ersten Punkt. Sein Gegner ist Aufschläger für den zweiten und den dritten Punkt. Danach schlägt jeder Spieler abwechselnd jeweils für zwei Punkte hintereinander auf, bis über den Gewinn von Spiel und Satz entschieden ist.
3. Der Aufschlag für den ersten Punkt erfolgt von rechts. Danach wird abwechselnd von links und von rechts aufgeschlagen. Wenn von der falschen Spielfeldhälfte aufgeschlagen wurde, bleibt der aus einem solchen falschen Aufschlag oder solchen falschen Aufschlägen erzielte Spielstand gültig. Die falsche Aufstellung ist aber sofort nach Entdeckung des Irrtums zu berichtigen.
4. Nach je sechs Punkten sowie nach Beendigung des Tie-break-Spiels haben die Spieler die Seiten zu wechseln.
5. Das Tie-break-Spiel zählt für den Wechsel der Bälle als ein Spiel. Falls die Bälle vor dem Tie-break-Spiel zu wechseln wären, ist der Ballwechsel erst vor Beginn des zweiten Spieles des folgenden Satzes vorzunehmen.
Im Doppel:
Im Doppel sind die Bestimmungen für das Einzel sinngemäß anzuwenden. Der Spieler, der an der Reihe ist, aufzuschlagen, ist Aufschläger für den ersten Punkt. Danach ist jeder Spieler in derselben Reihenfolge wie in den vorausgegangenen Spielen dieses Satzes Aufschläger für je zwei Punkte, bis über den Gewinn von Spiel und Satz entschieden ist.
Wechsel des Aufschlags:
Der Spieler (bzw. im Doppel das Spielerpaar), der (das) an der Reihe war, im Tie-break-Spiel für den ersten Punkt aufzuschlagen, ist im ersten Spiel des folgenden Satzes Rückschläger.
E n t s c h e i d u n g e n
Fall 1: Bei einem Spielstand von 6 beide wird Tie-Break gespielt, obwohl vor Beginn des Wettspiels beschlossen und bekanntgegeben wurde, daß ein Vorteilssatz zu spielen ist. Werden bereits gespielte Punkte gewertet?
Entscheidung: Wenn der Irrtum entdeckt wird, bevor der Ball für den zweiten Punkt ins Spiel gebracht wurde, muß der erste Punkt gewertet und der Irrtum sofort berichtigt werden. Wenn der Irrtum erst entdeckt wird, nachdem der Ball für den zweiten Punkt ins Spiel gebracht wurde, muß das Spiel als Tie-break-Spiel fortgesetzt werden.
Fall 2: Bei einem Spielstand von 6 beide wird ein Vorteilssatz gespielt, obwohl vor Beginn des Wettspiels beschlossen und bekanntgegeben wurde, daß Tie-break zu spielen ist. Werden die bereits gespielten Punkte gewertet?
Entscheidung: Wenn der Irrtum entdeckt wird, bevor der Ball für den zweiten Punkt ins Spiel gebracht wurde, muß der erste Punkt gewertet und der Irrtum sofort berichtigt werden. Wenn der Irrtum erst entdeckt wird, nachdem der Ball für den zweiten Punkt ins Spiel gebracht wurde, muß der Satz als Vorteilssatz fortgesetzt werden. Wenn es aber dabei zu einem Spielstand von 8 beide oder einem Gleichstand einer höheren geraden Zahl von Spielen kommt, ist Tie-Break zu spielen.
Fall 3: Ist die geänderte Reihenfolge beim Aufschlag bis zum Ende des Spiels beizubehalten, wenn in einem Einzel oder einem Doppel während des Tie-break-Spiels ein Spieler aufschlägt, obwohl er nicht an der Reihe ist?
Entscheidung: Wenn ein Spieler seine Aufschlagfolge bereits abgeschlossen hat, bleibt es bei der geänderten Reihenfolge beim Aufschlag. Wenn der Irrtum entdeckt wird, bevor der Spieler seine Aufschlagfolge abgeschlossen hat, ist die Reihenfolge beim Aufschlag sofort zu berichtigen. Alle bereits gespielten Punkte sind zu werten.

Regel 28: Höchstzahl der Sätze


In einem Wettspiel darf die Zahl der Sätze höchstens fünf, wenn Spielerinnen teilnehmen, höchstens drei betragen.

Regel 29: Oberschiedsrichter, Schiedsrichter, Hilfsrichter
In Wettspielen, für die ein Schiedsrichter eingesetzt ist, ist dessen Entscheidung endgültig. Wenn ein Oberschiedsrichter ernannt ist, kann bei ihm in Regelfragen gegen die Entscheidung des Schiedsrichters Berufung eingelegt werden. In allen solchen Fällen ist die Entscheidung des Oberschiedsrichters endgültig. In Wettspielen, für die Hilfsrichter (Linienrichter, Netzrichter, Fußfehlerrichter) zur Unterstützung des Schiedsrichters eingesetzt sind, sind deren Entscheidungen in Tatfragen endgültig. Der Schiedsrichter ist aber berechtigt, die Entscheidung eines Hilfsrichters abzuändern oder eine Wiederholung anzuordnen, wenn nach seiner Einschätzung eine eindeutige Fehlentscheidung getroffen worden war. Wenn ein Hilfsrichter nicht in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen, hat er dies dem Schiedsrichter unverzüglich anzuzeigen, der dann selbst zu entscheiden hat. Falls der Schiedsrichter nicht in der Lage ist, in einer Tatfrage eine Entscheidung zu treffen, muß er eine Wiederholung anordnen.
Im Davis-Cup und in anderen Mannschaftswettbewerben, bei denen sich ein Oberschiedsrichter auf dem Platz befindet, kann jede Entscheidung vom Oberschiedsrichter abgeändert werden. Er kann auch den Schiedsrichter anweisen, den Punkt wiederholen zu lassen. Der Oberschiedsrichter kann nach seinem Ermessen ein Wettspiel jederzeit wegen der Lichtverhältnisse, des Zustandes des Platzes oder der Witterung unterbrechen. Bei jeder Unterbrechung bleibt der Spielstand und die Aufstellung auf dem Platz vor der Unterbrechung gültig, sofern nicht der Oberschiedsrichter und die Spieler übereinstimmend etwas anderes vereinbaren.


E n t s c h e i d u n g e n
Fall 1: Der Schiedsrichter entscheidet auf Wiederholung des Punktes. Ein Spieler erlangt aber, daß der Punkt nicht wiederholt wird. Darf eine Entscheidung des Oberschiedsrichters gefordert werden?
Entscheidung: Ja, weil es sich um eine Regelfrage handelt. Eine Regelfrage betrifft die Anwendung der Regeln auf einen bestimmten Sachverhalt. Sie ist zuerst vom Schiedsrichter zu entscheiden. Wenn dieser jedoch unsicher ist oder wenn ein Spieler gegen seine Entscheidung Berufung einlegt, ist eine Entscheidung des Oberschiedsrichters einzuholen. Dessen Entscheidung ist endgültig.
Fall 2: Bei einem Ball ist auf "Aus" entschieden worden. Ein Spieler behauptet aber, daß der Ball gut war. Darf der Oberschiedsrichter entscheiden?
Entscheidung: Nein, weil es sich um eine Tatfrage handelt. Eine Tatfrage betrifft das, was sich während eines bestimmten Vorgangs tatsächlich ereignet hat. Entscheidungen von Schiedsrichter und Hilfsrichtern sind deshalb endgültig.
Fall 3: Darf der Schiedsrichter die Entscheidung eines Linienrichters nach Beendigung des Ballwechsels abändern, wenn der Linienrichter nach seiner Meinung während des Ballwechsels eine eindeutige Fehlentscheidung getroffen hat?
Entscheidung: Nein. Ein Schiedsrichter darf die Entscheidung eines Linienrichters nur abändern, wenn er dies unverzüglich nach der Fehlentscheidung tut.
Fall 4: Der Linienrichter entscheidet bei einem Ball auf "Aus". Der Schiedsrichter konnte den Ball nicht genau sehen, glaubt aber, daß er gut war. Darf er die Entscheidung des Linienrichters abändern?
Entscheidung: Nein. Der Schiedsrichter darf eine Entscheidung nur dann abändern, wenn er eindeutig feststellt, daß sie unzweifelhaft falsch war. Er darf die Entscheidung eines Linienrichters, daß der Ball gut war, nur abändern, wenn er zwischen dem Ball und der Linie einen Zwischenraum sehen konnte; er darf die Entscheidung eines Linienrichters "Aus" oder "Aufschlagfehler" nur abändern, wenn er erkennen konnte, daß der Ball die Linie getroffen hat oder innerhalb der Linie aufgesprungen ist.
Fall 5: Darf ein Linienrichter seine Entscheidung ändern, nachdem der Schiedsrichter den Spielstand bekanntgegeben hat?
Entscheidung: Ja. Wenn ein Linienrichter feststellt, daß er sich geirrt hat, darf er sich berichtigen, vorausgesetzt, er tut dies unverzüglich.
Fall 6: Der Linienrichter hat bei einem Rückschlag auf "Aus" entschieden. Der Spieler behauptet, daß sein Schlag gut war. Darf der Schiedsrichter die Entscheidung des Linienrichters abändern?
Entscheidung: Nein. Der Schiedsrichter darf nie eine Entscheidung auf Widerspruch oder Ersuchen eines Spielers abändern.

Regel 30: Unterbrochenes Spiel - Zulässige Unterbrechungen


Das Spielen darf vom ersten Aufschlag bis zur Beendigung des Wettspiels nicht ohne Grund unterbrochen werden. Dabei ist zu beachten:
a) Wenn der erste Aufschlag ein Aufschlagfehler ist, muß der zweite Aufschlag ohne Verzögerung ausgeführt werden. Der Rückschläger muß sich einem angemessenen Tempo des Aufschlägers anpassen und zum Rückschlag bereit sein, wenn der Aufschläger bereit ist aufzuschlagen. Werden die Seiten gewechselt, muß der Aufschlag zum ersten Punkt des nächsten Spiels spätestens 1 Minute 30 Sekunden nach dem Zeitpunkt erfolgt sein, zu dem der Ball am Ende des vorangegangenen Spiels nicht mehr im Spiel war. Der Schiedsrichter hat nach seinem Ermessen Störungen zu berücksichtigen, die es unmöglich machen, das Spiel fortzusetzen. Die Veranstalter von internationalen Circuits und von der ITF anerkannten Mannschaftswettbewerben können die Zeit festlegen, die zwischen zwei Punkten vergehen darf. Sie darf vom Augenblick, zu dem der Ball am Ende eines Punktes nicht mehr im Spiel ist, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Ball für den nächsten Punkt aufgeschlagen wird, 20 Sekunden nicht überschreiten.
b) Das Spiel darf niemals unterbrochen, verzögert oder gestört werden, um einen Spieler sich ausruhen oder Atem schöpfen oder sich erholen zu lassen. Bei einer Verletzung durch Unfall kann jedoch der Schiedsrichter eine einmalige Unterbrechung von 3 Minuten wegen dieser Verletzung gewähren.
c) Wenn die Kleidung, das Schuhwerk oder die Ausrüstung (mit Ausnahme des Schlägers) eines Spielers durch Umstände, auf die er keinen Einfluß hat, derartig in Unordnung geraten, daß es für ihn unmöglich oder unzumutbar ist, weiterzuspielen, kann der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen, damit der mangelhafte Zustand behoben wird.
d) Der Schiedsrichter kann das Spiel jederzeit unterbrechen oder verzögern, wenn dies nach seinem Ermessen erforderlich und zweckmäßig ist.
e) Nach Beendigung des dritten Satzes - oder wenn Spielerinnen beteiligt sind, des zweiten Satzes - kann jeder Spieler eine Pause von längstens 10 Minuten beanspruchen. In Ländern, die zwischen 15o nördlicher Breite und 15o südlicher Breite liegen, darf diese Pause bis zu 45 Minuten dauern. Der Schiedsrichter ist berechtigt, die Dauer der Pause nach eigenem Ermessen festzulegen, wenn Umstände es erfordern, auf die die Spieler keinen Einfluß haben. Wird ein unterbrochenes Wettspiel an einem anderen Tag fortgesetzt, kann die Pause erst nach drei aufeinanderfolgenden an diesem Tag ohne Unterbrechung gespielten Sätzen genommen werden - oder nach zwei Sätzen, wenn Spielerinnen beteiligt sind. Die Beendigung eines unterbrochenen Satzes zählt als ganzer Satz. Wird ein Spiel unterbrochen und an demselben Tag erst nach Ablauf von 10 Minuten fortgesetzt, kann die Pause erst nach drei aufeinanderfolgenden, ohne Unterbrechung gespielten Sätzen verlangt werden - oder nach zwei Sätzen, wenn Spielerinnen beteiligt sind. Die Beendigung eines unterbrochenen Satzes zählt als ganzer Satz. Jeder nationale Verband und/oder jeder Veranstalter eines Turniers, eines Wettbewerbs oder Wettspiels ist berechtigt, diese Vorschrift in seinen Wettspielbestimmungen zu ändern oder aufzuheben. Dies muß aber vor Beginn der Veranstaltung bekanntgegeben werden. Für den Davis-Cup und Fed-Cup kann nur die ITF diese Vorschrift in ihren Wettspielbestimmungen ändern oder aufheben.
f) Jeder Turnierausschuß ist berechtigt, festzulegen, wie lange sich die Spieler vor Beginn des Wettspiels einschlagen dürfen. Die Einschlagzeit darf aber fünf Minuten nicht überschreiten. Sie muß vor Beginn der Veranstaltung bekanntgegeben werden.
g) Wenn anerkannte Strafpunktsysteme zur Anwendung kommen, hat der Schiedsrichter seine Entscheidungen nach diesen Vorschriften zu treffen.
h) Bei Verstößen gegen den Grundsatz, daß das Spielen nicht unterbrochen werden darf, kann der Schiedsrichter den Schuldigen nach eindeutiger Verwarnung disqualifizieren.

Regel 31: Beratung


In einem Mannschaftswettkampf darf ein Spieler während eines Wettspiels von einem Mannschaftsführer beraten werden, der auf dem Platz sitzt. Die Beratung ist nur während der Pause beim Seitenwechsel nach Beendigung eines Spiels, aber nicht beim Seitenwechsel in einem Tie-break-Spiel zulässig. In allen anderen Wettspielen darf ein Spieler nicht beraten werden. Die Vorschriften dieser Regel sind genau einzuhalten. Ein dagegen verstoßender Spieler kann nach eindeutiger Verwarnung disqualifiziert werden. Wenn ein anerkanntes Strafpunktsystem zur Anwendung kommt, hat der Schiedsrichter die Strafen nach diesem System zu verhängen.
E n t s c h e i d u n g e n
Fall 1: Soll der Spieler verwarnt oder disqualifiziert werden, wenn die Beratung in unauffälliger Weise durch Zeichen erfolgt?
Entscheidung: Der Schiedsrichter muß eingreifen, sobald er feststellt, daß eine Beratung mündlich oder durch Zeichen erfolgt. Wenn der Schiedsrichter nicht bemerkt, daß Ratschläge erteilt werden, darf ihn ein Spieler darauf aufmerksam machen.
Fall 2: Darf ein Spieler während einer nach Regel 30 e) zulässigen Pause sich beraten lassen oder während einer Spielunterbrechung, wenn er den Platz verlassen hat?
Entscheidung: Ja, Wenn sich der Spieler unter diesen Voraussetzungen nicht auf dem Platz befindet, gibt es keine Beschränkung für eine Beratung.
A n m e r k u n g:
Der Begriff "Beratung" schließt jede Art von Ratschlägen und Anleitungen ein.

Regel 32: Wechsel der Bälle


Es kann angeordnet werden, daß nach einer vorher festgelegten Zahl von Spielen die Bälle auszuwechseln sind. Wenn der Wechsel der Bälle irrtümlich unterblieben ist, muß er vor dem nächsten Spiel vorgenommen werden, in dem der Spieler (beim Doppel das Spielerpaar) wieder Aufschlag hat, der (das) vorher mit neuen Bällen hätte aufschlagen sollen. Danach sind die Bälle wieder so zu wechseln, daß zwischen den Wechseln die ursprünglich festgelegte Zahl von Spielen liegt.