WARUM DEHNEN

Weil Dehnübungen den Geist entspannen und den Körper konditionieren, sollten sie ein Teil deines täglichen Lebens sein. Du wirst entdecken, dass regelmäßiges Dehnen folgendes bewirkt:

·        Verringert Muskelspannung und lässt den Körper sich entspannter fühlen.

·        Fördert Muskelkoordinierung, indem es freiere, leichtere Bewegung ermöglicht.

·        Vergrößert die Anzahl der Bewegungsmöglichkeiten.

·        Verhindert Verletzungen wie Muskelzerrungen. Ein starker, bereits gedehnter Muskel verträgt Belastungen besser als ein starker, ungedehnter Muskel.

·        Erleichtert anstrengende Aktivitäten wie Schilaufen, Tennis spielen, Schwimmen und Radfahren, weil es auf die Übung vorbereitet. Es ist ein Weg, den Muskeln mitzuteilen, dass sie bald arbeiten werden.

·        Entwickelt Körperbewusstsein. Wenn du diverse Körperteile dehnst, konzentrierst du dich auf sie und hast Kontakt zu ihnen. Du lernst dich kennen.

·        Hilft, die Kontrolle des Hirns über den Körper zu lockern, sodass er sich um seiner selbst willen bewegt, anstatt aus Gründen des Egos zum Wettstreit.

·        Regt den Kreislauf an.

·        Fühlt sich gut an.

Wie gedehnt wird

Dehnen ist leicht erlernbar. Aber es gibt einen richtigen und einen falschen Weg, sich zu dehnen. Der richtige ist ein entspanntes, kontinuierliches Dehnen, bei dem die Aufmerksamkeit den Muskeln gilt, die gestreckt werden. Der falsche Weg (den leider viele gehen) ist, auf und ab zu federn oder sich zu dehnen bis Schmerz einsetzt. Diese Methode können eher schaden als nützen.

Wenn du regelmäßig und richtig dehnst, wirst du merken, dass dir jede Bewegung, die du machst, leichter fällt. Es wird Zeit brauchen, bevor verspannte Muskeln und Muskelgruppen gelockert sind, aber diese Zeit ist schnell vergessen, wenn du beginnst, dich wohl zu fühlen.

Das leichte Dehnen

Wenn du eine Dehnung beginnst, verbringe 10 – 30 Sekunden in der leichten Dehnung. Kein Nachfedern! Mach weiter, bis du eine milde Spannung verspürst und entspanne, während du die Dehnung hältst. Das Gefühl von Spannung sollte abklingen, während du in der Stellung bleibst. Sollte dies nicht geschehen, lasse etwas nach und finde einen Grad der Spannung, der angenehm ist. Das leichte Dehnen verringert Muskelverspannungen und bereitet das Gewebe auf das fortschreitende Dehnen vor.

Das fortschreitende Dehnen

Nach dem leichten Dehnen gehe langsam in das fortschreitende Dehnen über. Auch hier kein Federn. Gehe millimeterweise vor, bis du wiederum eine milde Spannung verspürst, und halte die Position für 10 – 30 Sekunden. Bleibe in Kontrolle. Auch hier sollte die Spannung nachlassen. Ist dies nicht der Fall, gib etwas nach. Das fortschreitende Dehnen trimmt die Muskeln und vergrößert ihre Beweglichkeit

Atmen

Du solltest langsam, gleichmäßig und kontrolliert atmen. Wenn du dich vorbeugst, um dich zu dehnen, atme bei der Vorwärtsbewegung aus und dann langsam weiter, während du so bleibst. Halte beim Dehnen nicht die Luft an. Wenn dir eine Dehnlage natürliches Atmen erschwert, bist du offensichtlich nicht entspannt. Lass das Dehnen einfach etwas nach, sodass du natürlich atmen kannst.

Der Dehnreflex

Deine Muskeln werden von einem Mechanismus geschützt, der Dehnreflex genannt wird. Wann immer du die Muskelfasern zu stark streckst (entweder durch Feder oder durch Überdehnung), reagiert ein Nervenreflex, in dem er den Muskeln ein Signal zum Zusammenziehen erteilt. Dies bewahrt die Muskeln vor Schäden. Wenn du dich also zu weit dehnst, verhärtest du genau die Muskeln, die du zu dehnen versuchst! Du erlebst eine ähnliche, unfreiwillige Muskelreaktion, wenn du versehentlich etwas Heißes berührst. Bevor du darüber nachdenken kannst, hat sich dein Körper vor der Hitze zurückgezogen.

Das Halten einer Dehnung an der Grenze des Möglichen oder das Auf- und Abfedern überanstrengt die Muskeln und aktiviert den Dehnreflex. Hierdurch werden Schmerzen verursacht, sowie psychische Schäden durch mikroskopische Risse im Muskelgewebe. Dieses Reißen führt zur Bildung von Narbengewebe innerhalb der Muskeln, und damit der allmählichen Verlust der Elastizität. Die Muskeln werden hart und schmerzhaft. Wie solltest du dich noch für tägliches Dehnen und Körperübungen begeistern, wenn diese potentiell schädlichen Methoden angewendet werden?

Viele von uns wurden in unseren Schuljahren davon überzeugt, dass ein Gewinn mit Schmerzen bezahlt werden müsse. Wir lernten, Schmerzen mit körperlicher Leistungsfähigkeit gleich zu stellen und es hieß: „... je mehr es weh tut, umso mehr hast du davon“. Aber lass dich nicht irreführen. Dehnen ist nicht schmerzhaft, wenn es richtig durchgeführt wird. Lerne, auf deinen Körper zu achten, denn Schmerz ist eine Indikation dafür, dass etwas falsch ist.